Sieht mehr, wenn es dunkel wird.

Sechs Fragen vor dem Kauf

Bildfeld, Nacht, Gehäuse, Bauform, Alarm, Archiv – genau in dieser Reihenfolge. Wer eine Frage überspringt, kauft einen Dome für eine Szene, die es so nicht gibt.

Sechs leere Karten auf der Werkbank neben einer Bullet-Kamera

Wir haben Angebote gesehen, die nach Datenblatt aufgingen, bevor überhaupt jemand gesagt hatte, um welche Tür es geht. Der Dome wird geliefert – und filmt eine Wand, das Nachbarfenster oder einen Parkplatz, der mittags gestochen scharf und um 22 Uhr schwarz ist. Das ist kein Optikproblem. Die Bestellung wurde von der falschen Seite aus aufgezogen.

Unsere Methode klärt diese sechs Fragen vor Ort. Das schlanke Sortiment mit sechs Modellen verhindert, dass die Entscheidung in hundert Artikelnummern untergeht. Gestellt werden müssen die Fragen trotzdem – und zwar der Reihe nach, nicht „das Kabel klären wir später“ oder „Analyse ist inklusive, also erledigt“.

1. Welchen Ausschnitt müssen Sie wirklich sehen?

Nicht „ich hätte gern eine Kamera“, sondern ein Rechteck: Breite der Tür, Tiefe des Wegs, Montagehöhe – und was das Objektiv nicht erfassen darf. Nachbargrundstück, Hausflur, Sanitärbereiche streichen wir auf dem Plan, bevor ein Modell feststeht. Der DSGVO-Rahmen kommt vor dem Prospekt.

Erst dann richtet sich die Bauform nach dem Bildfeld. Ein schmaler Zugang, ein Tor, eine Fassade: die DINION 3100i IR, Bullet mit Varioobjektiv von 101° bis 30°. Ein Hof, ein Parkplatz, ein Dome unter der Traufe: der FLEXIDOME outdoor 5100i IR, unser meistverbautes Modell. Eine Halle ohne tote Winkel: die Panoramic 5100i. Ein exponierter Standort mit kritischem Bild: die 8100i X.

Bleistift-Rechteck um das Tor auf einem Lageplan, daneben ein Kamerakarton
Erst der Stift an der Tür, dann der Karton. Stimmt das Rechteck nicht, stimmt auch der Dome nicht.

Ein Weitwinkel „um alles zu sehen“, der den Gehweg mitnimmt, ist keine bessere Wahl – nur ein zu großzügiger Ausschnitt. Dann richten wir neu aus, maskieren oder verzichten. Die unerwarteten Aufnahmen – ein Fuchs, ein Bote, ein Nest – landen ohnehin nur in dem Feld, das tatsächlich geplant wurde.

2. Ist es dort dunkel – oder nur kontrastreich?

Nacht ist kein Schalter. Ein Strahler im Bild und ein unbeleuchteter Weg brauchen nicht dieselbe Kamera. HDR bewältigt Kontraste: ein Gesicht unter dem Flutlicht, ein Kennzeichen gegen Scheinwerfer. starlight hält die Farbe bei dem wenigen Licht, das bleibt. Infrarot leuchtet selbst aus – und schaltet auf Schwarzweiß. Drei Werkzeuge, drei Aufgaben, die in Angeboten viel zu oft vermischt werden. Die Details stehen im Beitrag Farbe nach Mitternacht.

Tor bei Nacht: ein Strahler überstrahlt den Vordergrund, der Weg dahinter liegt im Dunkeln
Links ein Strahler, dahinter Schwärze. HDR für den Kontrast, starlight oder Infrarot für den unbeleuchteten Teil – nicht derselbe Dome.

Die DINION nennt HDR und 30 m Infrarot – starlight X ist das nicht, und wir behaupten es auch nicht. Der 5100i IR hält die Farbe länger, danach übernimmt der 45-m-Strahler. Die AUTODOME liefert Farbe bis 0,0186 lx – genug, um eine Rampe zu verfolgen, ohne zu früh auf Schwarzweiß zu wechseln. „IR“ auf dem Karton heißt nicht, dass man um 3 Uhr noch die Farbe einer Jacke erkennt.

Was wir vor Ort notieren: das Licht um 22 Uhr, nicht um 12. Natriumdampf oder LED, Strahler im Bild, noch beleuchtete Schaufenster, die echte Entfernung bis zum Ende des Wegs. „Der Hof ist eher hell“ aus der Erinnerung ist keine Messung.

3. Innen mit IP42 oder draußen mit IP66?

Die Hallen-Panoramakamera hat IP42 / IK08 und gehört unter eine trockene Decke. Ein Hof „unter dem Vordach“ bekommt trotzdem Schlagregen, einen Wasserstrahl, einen Ball ab. Dort braucht es IP66 und IK10 – den 5100i IR, die Panorama-IR-Variante NDS-5704-F360LE oder die 8100i X. Wer IP42 draußen montiert, weil „das Dach ja etwas übersteht“, unterschreibt für das erste Gewitter.

Umgekehrt gibt es das auch: ein robustes Rampengehäuse für ein klimatisiertes Großraumbüro zu bezahlen. Unnötig. Das Gehäuse folgt dem Umfeld, nicht der Gewohnheit des Monteurs.

Draußen geht es nicht nur um die Schutzart. Oft kommt Infrarot hinzu, manchmal eine Kuppelheizung – also mehr Watt auf demselben Kabel. Alle Modelle im Sortiment laufen über PoE, aber nicht an jedem Switch und nicht über jede Länge. Details im Beitrag ein Kabel für alles: Wir rechnen den Port, bevor wir bohren.

Die Stromversorgung ist keine eigene siebte Frage. Sobald das Gehäuse feststeht, notieren wir Schrank, PoE-Budget und Meter bis zur Montagestelle. „Das Kabel ist nicht so lang“ ist keine Messung.

4. Verfolgen oder alles im Blick?

Das sind zwei verschiedene Kameras. Eine 360°-Kamera hat keinen toten Winkel, verfolgt aber kein Kennzeichen auf 80 m. Eine PTZ-Kamera folgt einer Rampe – und sieht das Tor nicht mehr, solange sie auf den Lkw schaut.

Empfangshalle mit 360°-Panoramakamera an der Decke
Eine Decke, eine Kamera. Dafür ist 360° da: alles sehen, ohne dass jemand steuern muss. Ein 30-fach-Zoom auf eine Rampe ist es nicht.

Halle, Laden, Großraumbüro: die FLEXIDOME panoramic 5100i mit 12 MP und Entzerrung. Dieselbe Logik im Hof leistet der IR-Zwilling mit IP66. Rampe, Rundgang, langer Parkplatz, also überall, wo das Geschehen wandert: die AUTODOME 5100i mit 30-fach-Zoom. Für die beweglichen Teile gelten 3 Jahre Garantie, auch wenn der Rest 5 Jahre hat – das sagen wir offen, statt eine Einheitsgarantie auf den Katalog zu kleben.

Eine PTZ-Kamera „für den ganzen Hof“, die niemand steuert, zeigt fast immer in die falsche Richtung. Eine 360°-Kamera, von der man ein Gesicht am Ende des Parkplatzes erwartet, enttäuscht. Entscheidend ist die Aufgabe, nicht das Wort, das gut klingt.

5. Wer bekommt den Alarm?

Analyse ohne Empfänger ist nur ein gesprächigerer Stream. Buildings, Perimeter, Privacy – Lizenzen, keine Magie. Ohne Linie, Uhrzeit und Konto klingelt das Telefon wegen einer Plastiktüte, und bald öffnet niemand mehr die Meldungen. Mehr dazu im Beitrag IVA Pro.

Die Frage lautet nicht „Möchten Sie Analyse?“, sondern: Wer wird geweckt, bei welcher Linie, außerhalb welcher Zeiten? Eine Gruppe „alle“ liest nach drei Tagen niemand mehr. Die AUTODOME arbeitet übrigens mit Essential Video Analytics, nicht mit IVA Pro – und so steht es bei uns auch im Angebot.

  • Linie – eine Tür, ein Tor, die Schwelle eines Lagers. Nicht „jede Bewegung“.
  • Uhrzeit – geöffnet wird archiviert, geschlossen wird alarmiert. Ein Schlussverkaufs-Samstag ist kein Dienstag um 4 Uhr.
  • Konto – personenbezogen, eine oder zwei berechtigte Personen. Kein geteiltes Live-Bild „zum Reinschauen“.

Jede zusätzliche Regel ist ein künftiger Fehlalarm – oder ein Schritt zur Personenüberwachung, den keine Aufsichtsbehörde hinnehmen muss. Die Regeln stehen im Angebot wie das Modell selbst. Und den Stream sichern wir ab: echtes Passwort, kein UPnP.

6. Wo liegen die dreißig Tage Archiv?

Nicht auf der microSD im Dome und nicht „bis die Platte voll ist“. Die Aufsichtsbehörden betonen es immer wieder: Die Speicherdauer richtet sich nach dem Zweck, nicht nach dem freien Terabyte. In der Regel ist nach einem Monat Schluss, oft genügen wenige Tage, um einen Vorfall festzustellen. Ein 16-TB-NVR ist kein rechtliches Argument. Siehe DSGVO-Rahmen.

Kleiner Schrank mit Rekorder und vier Festplatten, daneben ein Notizbuch
Vier Platten, ein Kabel, ein Notizbuch. Hier liegt das Archiv und wird nach der festgelegten Dauer überschrieben – nicht im Dome, nicht „für alle Fälle“.

Wir installieren einen Rekorder vor Ort, stellen das automatische Überschreiben auf die festgelegte Dauer ein und legen fest, wer exportieren darf. Läuft ein Verfahren, sichern wir die relevanten Aufnahmen, dokumentieren sie und bewahren sie für die Dauer dieses Verfahrens auf – nicht den kompletten Stream. Vom Smartphone aus reinzuschauen ist erlaubt; Mitarbeitende vom Sofa aus zu kontrollieren nicht.

Was wir vor Ort notieren: wo der Rekorder steht, welche Speicherdauer eingestellt ist (oft: gar keine), wer ein Konto hat, von wo das Live-Bild geöffnet wird. „Wir behalten einfach alles“ ist keine Speicherregel.

In dieser Reihenfolge – nicht umgekehrt

Wer das Bildfeld überspringt, filmt den Nachbarn. Wer die Nacht überspringt, kauft Infrarot für eine Straße mit Natriumlicht. Wer das Archiv überspringt, hat ein makelloses Live-Bild und am nächsten Tag nichts. Die Stromversorgung rechnet man, wenn das Gehäuse feststeht; die Analyse, wenn das Bildfeld steht. Nicht vorher.

Wir beginnen nicht bei hundert Artikelnummern. Wir beginnen mit dem Ortstermin – und dann mit einem der sechs Modelle.