Sieht mehr, wenn es dunkel wird.

Farbe nach Mitternacht

Nacht ist kein Schalter. Natriumlaterne an der Straße, Strahler am Parkplatz, Rampe ganz ohne Licht: Das sind drei verschiedene Kameras – und drei verschiedene Begriffe.

Straße bei Nacht mit beleuchtetem, geschlossenem Schaufenster

Um zwei Uhr nachts muss ein Bild nicht schön sein. Es muss verraten, ob jemand eine helle Jacke oder einen dunklen Blouson trägt, ob da eine Limousine oder ein Transporter fährt, ob man ein Gesicht sieht oder nur eine Silhouette. Infrarot allein sagt meist nur: „Da ist jemand.“ Farbe sagt: wer, womit, aus welcher Richtung.

Bosch hat dafür drei Werkzeuge mit drei klar getrennten Aufgaben. In Angeboten werden sie oft vermischt – und am Ende kippt ein Dome zu früh auf Schwarzweiß, oder HDR wurde als Nachtsicht verkauft.

Infrarot beleuchtet, aber es färbt nicht

Der eingebaute Strahler arbeitet bei 850 nm, einer Wellenlänge, die das Auge kaum wahrnimmt. Der IR-Sperrfilter klappt weg, der Sensor schaltet auf Schwarzweiß. Das ist Absicht: mehr nutzbares Licht, weniger Farbe. Die DINION 3100i IR reicht laut Datenblatt 30 m weit, der FLEXIDOME outdoor 5100i IR 45 m. Das Außenpanorama NDS-5704-F360LE regelt sein Infrarot zonenweise, damit nicht das ganze Rundbild überstrahlt.

Das genügt an Weg, Tor und Fassade, wo es vor allem darum geht, einen Durchgang zeitlich festzuhalten. Es genügt nicht mehr, sobald man eine Weste, ein Fahrzeug oder ein Tier erkennen muss: Das Fell eines Fuchses ist im Infrarot nur ein heller Fleck. Die unerwarteten Aufnahmen zeigen es deutlich: Sobald etwas Ungeplantes passiert, ist Restlichtfähigkeit keine Kosmetik mehr.

Rostroter Mantel und gelbe Tasche unter einer Natriumlaterne, Dome an der Traufe
Ein rostroter Mantel, eine gelbe Tasche: Infrarot hätte nur eine Silhouette gezeigt. Mit Farbe weiß man, wer da war und womit.

starlight lässt den Sensor vor den LEDs arbeiten

Bosch starlight erzeugt kein Licht. Es hält die Farbe länger, indem es das wenige Licht nutzt, das noch da ist: Schaufenster, Natriumlampen, Scheinwerfer, Mond. Die IR-LEDs schalten erst zu, wenn eine Schwelle unterschritten ist. Genau deshalb setzen wir den 5100i IR auf schlecht beleuchteten Parkplätzen öfter ein als eine Einstiegs-Bullet. Die AUTODOME 5100i liefert laut Datenblatt noch bei 0,0186 lx ein Farbbild – genug, um einer Rampe zu folgen, ohne zu früh umzuschalten.

Die 60 Bilder pro Sekunde des Domes helfen, wenn Scheinwerfer durchs Bild streichen: weniger Bewegungsunschärfe, weniger „Loch“ genau in dem Moment, in dem jemand vorbeigeht.

Von Lightfinder sprechen wir nicht – das ist nicht das Vokabular dieses Sortiments. starlight und starlight X reichen völlig und entsprechen den Bosch-Datenblättern der Kameras, die wir verkaufen.

starlight X: wenn es wirklich stockdunkel ist

Die FLEXIDOME 8100i X (NDE-8702-RX) geht eine Stufe weiter: 1/1,8"-Sensor, starlight X, rund 70 % empfindlicher als das klassische starlight. Wir setzen sie an Rampen, auf Logistikhöfen und an Orten ein, an denen die Straßenbeleuchtung aufhört und die Aufzeichnung trotzdem lesbar bleiben muss. Für das Einfamilienhaus ist sie nicht gedacht.

Ein großer Sensor ersetzt keinen gut platzierten Strahler. Er gewinnt Zeit – ein paar Lux weniger, bevor umgeschaltet wird – und oft ist es genau diese Zeit, die ein Gesicht von einem Fleck unterscheidet.

HDR bändigt den Strahler, nicht die völlige Dunkelheit

Ein häufiges Missverständnis: Jemand liest „HDR“ und glaubt, Nachtsicht zu kaufen. HDR (und HDR X mit bis zu 141 dB bei der X-Serie) bewältigt eine zweigeteilte Szene – Strahler im Bild, Gesicht im Schatten, überhelles Schaufenster. Es erfindet kein Licht, wo keins mehr ist.

Gepflasterte Gasse bei Nacht, beleuchtetes Fenster im Schatten
Ein zu helles Fenster, eine zu dunkle Gasse: das Paradebeispiel für HDR, nicht für starlight.

Bei der DINION 3100i IR ist HDR nach Sonnenuntergang sogar das wichtigste Argument, denn die Bullet hat kein starlight. Sie meistert einen schräg beleuchteten Zugang. Das HDR X der 8100i X vermeidet zudem die Unschärfe der Mehrfachbelichtung – hilfreich, wenn ein Fahrzeug vor einem Strahler vorbeifährt.

Drei Situationen, drei Datenblätter

Lichtmessung zur blauen Stunde auf einem Hof, der Dome ist bereits montiert
Licht um 22 Uhr, ein Luxmeter, der Dome schon an der Wand: Zwischen starlight und Infrarot entscheidet man vor Ort, nicht anhand des Prospekts im Mittagslicht.
  • Weg, Tor, gerade Fassade – DINION 3100i IR. IR 30 m, HDR. Die Bullet-Form ist gut sichtbar: Sie schreckt ab und dokumentiert.
  • Schlecht beleuchteter Hof oder Parkplatz – FLEXIDOME outdoor 5100i IR. starlight plus IR 45 m – unser meistverbautes Modell.
  • Kritische Rampe, exponierter Standort – FLEXIDOME 8100i X. starlight X plus HDR X.

Das IR-Panorama deckt einen Hof ohne toten Winkel ab. Die PTZ-Kamera folgt dem Geschehen, wenn man die 3 Jahre Garantie auf die Mechanik in Kauf nimmt. Unsere Methode beginnt beim Bildausschnitt, nicht beim Prospekt.

Was wir vor Ort notieren: das Licht um 22 Uhr, nicht um 12. Natrium oder LED, Strahler im Bild, noch beleuchtetes Schaufenster, die tatsächliche Entfernung bis zum Ende des Weges. „Der Hof ist eigentlich ganz hell“ ist keine Messung.

Farbe halten heißt nicht, die Nacht zu inszenieren

Wir verkaufen kein Kinobild. Wir verkaufen eine Aufzeichnung, die am nächsten Morgen weiterhilft: der Farbton einer Jacke, ein noch lesbares Kennzeichen, ein Zeitstempel. Natriumlicht auf der Straße, das geschlossene Schaufenster, der rostrote Mantel – das ist nur die Kulisse, in der der Sensor seine Arbeit machen muss.